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Bayerischer Enzian

Gentiana bavarica
Enziangewächse (Gentianaceae)


(Alle Credits und Rechte der Wikipedia-Quelle gelten)

Der Bayerische Enzian (Gentiana bavarica) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Enziane (Gentiana) innerhalb der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae).

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Der Bayerische Enzian ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 5 bis 15 Zentimetern. Es werden generative und rein vegetative Stängel gebildet. Die Blütenstängel besitzen am Grund keine Blattrosette.

Die gegenständig angeordneten Laubblätter haben einen glatten Rand und sind alle fast gleich groß. Die unteren können kleiner und genähert sein. Außer den dicht stehenden Rosettenblättern gibt es zwei bis vier Paare entfernt stehende Stängelblätter. Die Blattspreiten sind bei einer Länge von 10 bis 15 Millimetern kaum doppelt so lang als breit und spatelförmig oder verkehrt-eiförmig und im vorderen Drittel am breitesten. Das obere Ende ist stumpf und ohne Knorpelspitze.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis September. Die Blüten stehen endständig einzeln oder einzeln bis zu dritt in den Achseln der oberen Blätter.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist 10 bis 16 Millimeter lang und aufgeblasen mit gekielten oder schmal geflügelten Kanten. Die Flügel der Kanten sind 1 bis 2 Millimeter breit. Die Kelchzähne sind bei einer Länge von 5 bis 6 Millimetern etwa zwei Drittel so lang wie die Kelchröhre und lanzettlich mit spitzem oberen Ende. Die Krone ist tief-blau bis hell-blau. Die Kronröhre ist walzenförmig und heller. Der SKronsaum ist ausgebreitet und bei einem Durchmesser von 16 bis 20 Millimetern stieltellerförmigt. Die Zipfel zwischen den Kronblättern sind nur kleine Zähnchen oder fehlen ganz. Die Staubblätter sind in der Mitte behaart. Die Staubbeutel sind gelb und frei. Der 3 bis 5 Millimeter lang gestielte Fruchtknoten ist vierkantig und 16 bis 20 Millimeter lang. Der Griffel ist tief zweilappig.

Die Samen sind braunschwarz und spindelförmig; sie sind 1 Millimeter lang, 0,5 Millimeter breit und ungeflügelt.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 30.

Ökologie

Beim Bayerischen Enzian handelt es sich um einen überwinternd grünen Hemikryptophyten. Blütenbesucher sind Bienen und Falter.

Vorkommen

Der Bayerische Enzian kommt nur in den Alpen vor. Es gibt Fundorte in Frankreich, Italien, in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und im früheren Jugoslawien. Er wächst in feuchten Matten, Schneetälchen, Gesteinsschutt und in Quellbereichen auf frischen oder feuchten, meist kalkhaltigen, steinigen Böden. Er kommt von der subalpinen bis subnivalen Höhenstufe vor. Er gedeiht in Höhenlagen von 1800 bis 2500, selten bis zu 3600 Metern. Selten kommt er tiefer als 1800 Meter Meereshöhe vor. In den Allgäuer Alpen steigt er von 1400 Metern bis zu einer Höhenlage von 2300 Metern auf. Wie alle Enzian-Arten ist der Bayerische Enzian in Deutschland gesetzlich geschützt.

Gentiana bavarica ist in den Alpen eine Charakterart des Arabido-Rumicetum nivalis aus dem Verband Arabidion caeruleae der Schneeboden-Gesellschaften. Er kommt aber auch im Caricetum frigidae vor sowie in Pflanzengesellschaften der Ordnung Montio-Cardaminetalia oder der alpinen Milchkrautweiden (Poion alpinae) bzw. bei der Varietät Gentiana bavarica var. subacaulis des Verbands Androsacion alpinae.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (sehr feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 1+ (unter-alpin, supra-subalpin und ober-subalpin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Gentiana bavarica erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 331.

Botanische Geschichte

Von Gentiana bavarica gibt es je nach Autor bis zu zwei Varietäten:

  • Gentiana bavarica L. var. bavarica: Sie kommt in Frankreich, Italien, Schweiz, Deutschland, Österreich und im früheren Jugoslawien vor.
  • Gentiana bavarica var. subacaulis Cust. Sie unterscheidet sich durch deutlich verkürzte Stängel und zahlreiche dachziegelartig gedrängte Laubblätter. Diese Varietät gedeiht besonders in Höhenlagen von 2400 bis 3000 Metern in Frankreich, Deutschland, der Schweiz und in Österreich vor. Diese Varietät ist von anderen Autoren nicht anerkannt.

Literatur

  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6. 
  • Thomas Gaskell Tutin: Gentiana. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae. Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S. 63 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 

Einzelnachweise

Weblinks

  • Gentiana bavarica agg., Artengruppe Bayerischer Enzian. auf FloraWeb.de
  • Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
  • Gentianaceae / Gentiana bavarica (s. str.) - Bayern-Enzian - Datenblatt mit Fotos bei Botanik im Bild / Flora von Österreich, 2007-02-14.


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